Home

logo02

a_header-druck

 

Regionale Nachrichten

13.10.2005

Die Reittherapeutin

Brigitte Schaetzke aus Brieselang hat ihr Hobby zum Beruf gemacht


JUDITH MEISNER

BRIESELANG Nur wenigen Zeitgenossen gelingt es, Hobby und Beruf so ideal zu verbinden wie der Brieselangerin Brigitte Schaetzke. Sie ist von Haus aus Erzieherin und begann im Havelland mit der Reiterei. Sie arbeitete schon immer viel mit Jugendlichen, so dass die Reittherapie sie interessierte. Die Lizenz zur Therapeutin war bald gemacht und nun arbeitet sie schon seit Jahren freiberuflich auf dem Reiterhof Polzfuss in Brieselang.

Ihre Klienten sind bunt gemischt: "Es kommen Eltern mit kleinen Kindern ab vier Jahren zu mir, die sich Kontakt zu Pferden für ihre Stadtkinder wünschen." Oder Kinder und Jugendliche trainieren mit ihr und ihrem Lieblingspferd Pinocchio Grob- und Feinmotorik sowie Balance.

"Die Pferde spüren sehr genau, wen sie vor sich haben. Eine junge Frau mit Down-Syndrom lernte das Pferd kennen und war von Natur aus nicht gerade zärtlich. Aber der elfjährige Pinocchio ließ sich alles gefallen, sie konnte mit ihm machen, was sie wollte. Pferde nehmen die anderen Lebewesen sehr unterschiedlich wahr und sind besonders rücksichtsvoll gegenüber Behinderten", so Brigitte Schaetzke, die übrigens nicht gerne Pferdeflüsterin genannt werden möchte.

Sie dankt ihre Erfolge bei Menschen und Tieren vielmehr ihrer langen Erfahrung und ihrem Eingehen auf Charaktere, ja und auch Launen der Pferde. "Es ist klar, dass sich auch ein Pferd nicht immer jeden Tag gleich gut fühlt. Bevor ich mit der Arbeit mit den Kindern beginne, bereite ich die Pferde etwa drei Stunden lang vor. Dann sehe ich, wie sie drauf sind und welches Tier heute am besten zu welchem Kind passt." Um die Angst vor den großen Tieren abzubauen, beginnt sie mit der großen Stute: Das klingt paradox, aber es macht Sinn. Ponys sind viel nervöser und hektischer in ihren Bewegungen, ein Pferd ist ruhiger und gelassener.

Das lernen sie in einer langwierigen Ausbildung von drei Jahren, erst dann ist ein Pferd für eine Therapie einsatzfähig, wenn überhaupt, denn dafür eignen sich nur Tiere, die ein sehr ruhiges und freundliches Naturell haben. Zu Beginn darf sich jedes Kind ein Pferd aussuchen. "Aber die Pferde suchen sich auch die Kinder aus. Sie senden Signale, die die Kinder wahrnehmen. Die Tiere haben eine hohe soziale Intelligenz, genau wie die kleinen Menschen", sagt die erfahrene Reiterin.

Der Reiterhof Polzfuss scheint die ideale Ergänzung für die Therapeutin zu sein. Hier stehen die Stall- und Scheunentore weit offen, der morbide Charme der alten LPG schimmert an den Baracken noch durch. Hier stehen die Pferde im Mittelpunkt, Schickimicki-Reiter haben keine Chance.

Wer neugierig geworden ist: Am 16. Oktober findet auf dem Brieselanger Hof, Stallweg 8, ein Kinder- und Jugendtag statt, auf dem auch Brigitte Schaetzke anzutreffen ist. Das Programm bietet Geschicklichkeitsspiele auf dem Pferd für die Größeren, die Kleinen können die Tiere und das weitläufige Gelände kennen lernen.



© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam